Ein fantasievoller Blick in eine mögliche Zukunft

Illusion und Wirklichkeit: Ulrike Müller und Nadin Plate vom Bioladen Ulenburg boten beim „Tag des offenen Bahnhofes“ leckere und gesunde Produkte an. Im Hintergrund sind die bunten Bildplakate zu sehen.

 

Ein fantasievoller Blick in eine mögliche Zukunft
Großes Interesse beim „Tag des offenen Bahnhofes“


Der „Tag des offenen Bahnhofes“ hat bei einigen Besuchern für gemischte Gefühle gesorgt, sowohl eine Menge Aufbruchstimmung und Optimismus war mit dabei, aber auch Skepsis und Unsicherheit. Wie es einmal in dem Gebäude aussehen könnte, das sollte dieser Tag veranschaulichen. Ein lobenswerter Ansatz, der zu reichlich Austausch und Diskussionen führte und das ist nie verkehrt.


Der Initiativkreis „Löhne umsteigen“ und das Besitzerehepaar des Bahnhofgebäudes, Charlotte und Epifanio Di Fede, gewährten einen ausführlichen Einblick in die Räumlichkeiten des Bauwerkes. Mehr noch, es wurden Perspektiven aufgezeigt, wie es in dem seit Längerem wenig einladenden Gebäude einmal aussehen könnte. In dieses Vorhaben wurde viel Herzblut gesteckt, das war deutlich erkennbar. So schmückten großformatige Bildplakate die sonst kahlen Wände der Eingangshalle. Sie brachten nicht nur Farbe ins trostlose Ambiente, sondern sollten auch die Potenziale des Standortes verdeutlichen. Eine belebte Bäckerei-Verkaufsthe-ke mit einer lächelnden Bedienung, wartenden Kunden und lecker aussehendem Sortiment waren zu sehen, ebenso ein Blumen- und Buchladen sowie ein Kiosk. Also all das, was man in jeder Bahnhofshalle erwartet, in Löhne aber seit Jahren nicht mehr vorfindet. Aber auch echte Stände waren aufgebaut, beispielsweise vom Bioladen Ulenburg. „Wir unterstützen dieses Engagement gerne und hoffen, dass hier im Bahnhofsgebäude in naher Zukunft wieder mehr Leben herrscht“, sagt Ulrike Müller, die mit Nadin Plate leckere und gesunde Produkte anbot.
Das Interesse war groß, nicht wenige Löhner nehmen großen Anteil am Schicksal des Bahnhofgebäudes und nutzten die Gelegenheit, hinter sonst verschlossene Türen zu blicken. Rundgänge wurden angeboten, wobei auch Ideen für mögliche Nutzungen vorgestellt wurden.
„Trostlos ist das hier schon, wie erwartet, aber ich habe mir den baulichen Zustand insgesamt schlechter vorgestellt - ein sehr interessanter Einblick“, sagte ein Besucher, der das Bahnhofgebäude noch gut aus besseren Zeiten kennt.
Eine besondere Atmosphäre strahlte der alte Wartesaal aus. Das bunte Sammelsurium an Möbelstücken und Einrichtungsgegenständen inmitten des halbentkernten Raumes mit den zum Teil nackten Klinkerwänden und der fehlenden Decke schuf ein nahezu unwirkliches Ambiente - ein wenig anachronistisch, ein wenig morbide, aber auch sehr interessant. Viele Besucher nutzen die Sitzgelegenheiten für eine kleine Pause, so war es auch beabsichtigt, denn es wurden Getränke und ein kleiner Imbiss angeboten. Endgültig an eine Filmkulisse, in diesem Fall an einen Low-Budget-Horrorfilm, erinnerte der Bereich neben dem alten Wartesaal, der zu einer Art Konferenzraum umgestaltet wurde. An einer langen und gedeckten Kaffeetafel saßen im Halbdunkeln zum Teil recht skurril wirkende Schaufensterpupen. Eine ordentliche Portion Vorstellungskraft war schon vonnöten, um hier neu gestaltete, moderne und belebte Räumlichkeiten vor dem geistigen Auge entstehen zu lassen. Ohne viel Fantasie war aber die Mühe zu erkennen, die sich die Verantwortlichen gemacht hatten, um ihren Gästen an diesem Tag ihre Ideen und Pläne zu präsentieren.  
Trotz all der guten Vorsätze und des Engagements: Eine Finanzierung für ein neugestaltetes Bahnhofsgebäude ist nicht in Sicht. Bleibt zu hoffen, dass die Arbeit der Mitglieder von „Löhne umsteigen“ in naher Zukunft Früchte trägt.


:sg:

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