Gemütliches Rollen auf der Schnellstraß

Mit viel Spaß: Zehntausende Teilnehmer bei der vierten Auflage der Aktion „Ohne Auto mobil“. Radler, Läufer, Walker, Inlineskater und Spaziergänger nutzten die Gelegenheit, die viel befahrene B61 zwischen Herford und Bielefeld einmal Autofrei zu nutzen

 

 

Gemütliches Rollen auf der Schnellstraße


Zehntausende Teilnehmer erlebten bei der vierten Auflage von „Ohne Auto mobil“
einen motorfreien Sonntag auf der Bundesstraße 61


Wo sonst täglich Zigtausende von Fahrzeugen über den Asphalt donnern, war an diesem Tag auf der Bundesstraße 61 nichts unterwegs, was sich mit Hilfe eines Verbrennungsmotors fortbewegte. Ausschließlich reine Muskelkraft oder vielleicht noch etwas elektronische Hilfe am Fahrradrahmen war als Antrieb bei der vierten Auflage der Aktion „Ohne Auto mobil“ erlaubt. Erneut nutzten Zehntausende Menschen die Gelegenheit, die viel befahrene Verbindungs-strecke zwischen Herford und Bielefeld mal etwas anders kennenzulernen - und entdeckten das Vergnügen an der Langsamkeit.


Wie bereits in den Jahren 2009, 2011 und 2013 war die B 61 auf einer Länge von 16 Kilometern für Kraftfahrzeuge komplett gesperrt. Jeder andere Verkehrsteilnehmer war gerne gesehen. So trafen sich Fahrradfahrer - ob sitzend, liegend, mit einem, zwei oder drei Rädern, Inlineskater, Spaziergänger, Walker, Läufer und natürlich einige Exoten, um die autofreie Schnellstraße in Beschlag zu nehmen. „Da freue ich mich immer schon Monate vorher drauf, eine tolle Aktion“, sagt eine Herforderin, die im gemütlichen Tempo unterwegs war. „In der Mitte der Strecke treffe ich eine Freundin, die aus Bielefeld angeradelt kommt, gemeinsam fahren wir dann in Richtung Bielefeld und gehen in der Altstadt in ein Café.“
Das nahezu märchenhafte Spätsommerwetter sorgte dafür, dass es die Massen zum Aktionstag zog. So war es zeitweise auf der Bundesstraße auch an diesem autofreien Sonntag voll - aber deutlich leiser als sonst. Während der acht Stunden währenden Sperrung der B 61 ereignete sich glücklicherweise trotz der zahlreichen Teilnehmer kein nennenswerter Unfall.
Bei ungetrübtem Sonnenschein entwickelte sich die Veranstaltung zu einem regelrechten Volksfest. Viele Anwohner trafen sich und feierten ihr eigenes, kleines Grillfest oder sahen sich von den Hofeinfahrten oder vom Bürgersteig aus das bunte Treiben an. Unterschiedliche Imbiss- und Getränkebuden säumten die Strecke in den städtischen Abschnitten, ebenso wie Informationsstände und Musikgruppen. Es wurden Tombolas, Spiele und weitere Aktionen veranstaltet. Auch in den Innenstädten gab es was zu erleben, so zum Beispiel ein Radrennbahnfest in Bielefeld.
„Das müsste doch eigentlich das längste Fest in ganz Ostwestfalen sein“, sagt ein Radfahrer aus Kirchlengern lächelnd. Wenn es nach ihm ginge, könnte jeden Monat ein autofreier Sonntag veranstaltet werden. „Diese Aktion ist nicht nur purer Spaß, sondern hat meiner Meinung nach auch einen Vorbildcharakter - es gibt auch Alternativen zum Verbrennungsmotor.“ Auch ein Inlineskater aus Herford ist ganz angetan von der Aktion. „Ich bin das zweite Mal dabei und möchte ehrlich gesagt nicht wieder zwei Jahre warten, der autofreie Sonntag müsste einmal im Frühjahr und einmal im Herbst stattfinden, alle zwei Jahre finde ich viel zu selten.“
An Hinguckern fehlte es in diesem Jahr nicht. Ein putziges Herrchen-Hund-Gespann war zischen den ganzen Radlern und Fußgängern zu sehen, ein Hochradfahrer in Mantel und Zylinder fuhr auf seinem auffälligen Gefährt neben Damenrädern mit tiefen Einstieg, Inlineskater sausten in Formation über die Straße, vorbei an Nordic-Walkern oder BMX-Fahrern, und auch einige Einradfahrer waren zu sehen. Radgruppen hatten sich zusammengefunden und traten gemeinsam in die Pedale, ganze Familien waren unterwegs und Radprofis mit frisch geputzter Ausrüstung rollten stolz durch die Menge.


:sg:

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