Kaiserwetter beim Herbstfest in Bruchmühlen

Gut besucht: Das Traumwetter zog Tausende Besucher auf das 20. Herbstfest in Bruchmühlen.

 

Kaiserwetter beim Herbstfest in Bruchmühlen
Kuriose Gesetzesänderung:
Nur Schautag in den Geschäften auf NRW-Seite erlaubt
Mehr Ironie ist kaum vorstellbar: Ausgerechnet am Tag der Deutschen Einheit zieht sich eine strikte Grenze mitten durch die belebte Straße einer Ortschaft, in der ein bundeslandübergreifendes Fest ausgerichtet wird. Während auf der niedersächsischen Seite die Geschäfte an diesem Feiertag öffnen und verkaufen durften, war auf nordrhein-westfälischer Seite lediglich ein Schautag erlaubt. Eine Gesetzesänderung in NRW führte zu dieser kuriosen Situation - ein Erfolg war das 20. Herbstfest in Bruchmühlen trotzdem.


An einer der Bierzeltgarnituren auf der Meller Straße, quasi im Niemandsland zwischen zwei Bundesländern, hat man den besten Platz. Die Sonne scheint gleißend vom Himmel, Besuchermassen schieben sich über den Asphalt, es duftet nach Wein, Käse, geräuchertem Aal und Backfisch. Traumhafter könnte das Wetter Anfang Oktober nicht sein - wie in 2013 und auch im vergangenen Jahr herrschen fast noch spätsommerliche Bedingungen. Und wie in den Jahren zuvor ist die Stimmung glänzend, sorgen Livebands für die musikalische Unterhaltung, genießen die zahlreichen Besucher die Angebote der Veranstaltung.
Aber etwas ist anders. Wenn man es nicht wüsste, würde es einem gar nicht auffallen. Es sei denn, man hat eine kleine Einkaufstour durch die Ortschaft im Sinn. „Anschauen ja, aber kaufen nein“, so lautet das Motto an diesem Tag auf der NRW-Seite Bruchmühlens; das erste Mal in der zwanzigjährigen Geschichte des Herbstfestes, bei der ganz Bruchmühlen mit seinen Gästen feiert. Der Grund ist neues Ladenschlussgesetz in Nordrhein-Westfalen, das an diesem Tag nur noch einen Schautag erlaubt. „ganz ehrlich? Das wirkt schon mehr als lächerlich und bürokratisch-kleinlich, und auch wenn ich nicht zum Einkaufen hier bin: das ist meiner Meinung nach ein falsches Signal“, sagt ein niedersächsischer Bruchmühlener. „Das erinnert mich an die Zeiten, als das Nichtraucherschutzgesetz eingeführt wurde, damals war das Rauchen auf der einen Seite noch erlaubt, auf der anderen nicht mehr, das jetzt ist doch der gleiche Zirkus“, so die Meinung einer anderen Anwohnerin. Die Freude der Veranstalter des Herbstfestes, die Werbegemeinschaft Bruchmühlen mit Mitgliedern aus beiden Bundesländern, über das neue Gesetzt hält sich - das Wortspiel sei erlaubt - deutlich in Grenzen: „Wir bedauern das außerordentlich“, so hatte es der Vorsitzende Volker Uhlmannsiek bereits vor dem Fest kommentiert.
Da sitzt man nun, mitten auf der Meller Straße. Die Stimmung ist ausgelassen, geradezu prächtig. Die Band „Auszeit“ ist zwar schlecht zu sehen, denn die Musiker stehen doch etwas zurückgezogen ganz hinten auf der Bühne, aber ihre Musik ist gut zu hören. Optisch deutlich mehr machen die standesgemäß gekleideten Mitglieder der „Royal British Legion Osnabrück“ her, die mit ihren Sackpfeifen und Trommeln durch die Menge ziehen. Und auch der Shantychor Bruchmühlen kommt gut an. Wie gewohnt bieten zahlreiche Fliegende Händler auf der Kilver Straße ihre Waren an, für die Kinder ist das Ponyreiten oder die große Rutsche ein Highlight. Auch das 20. Herbstfest ist eine gelungene Sache. Nur die nordrhein-westfälischen Einzelhändler haben das Nachsehen, denn ein verkaufsoffener Feiertag bei rund 10.000 Besuchern - das kann sich schon lohnen.
So langsam wird es ruhiger auf der Meller oder der Kilver Straße, auch die Sonne steht schon tief. Nach und nach finden sich die Besucher auf dem Parkplatz des Wohnzentrums ein. Ein großes pilzförmiges Segel vor der Bühne weist den Weg. Bühne? Richtig, zum ersten Mal kommt eine zweite Bühne auf einem Herbstfest zum Einsatz. Dort sorgt die Band „Red Hot“ für vorwiegend rockige Klänge bevor um 21 ein großes Höhenfeuerwerk gezündet wird.


 :sg:

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